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Frauen- und Geschlechterforschung
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Frauen- und Geschlechterforschung an der FH Bielefeld
Seit dem Haushaltsjahr 2004 stellt die FH Bielefeld jährlich Fördermittel für Frauen- und Geschlechterforschung zur Verfügung. Die Vergabe der Mittel orientiert sich streng an Kriterien der Frauen- und Geschlechterforschung.
Kriterien der Frauen- und Geschlechterforschung
Definition:
"Geschlechterforschung / Gender-Studien fragen nach der Bedeutung des Geschlechts für Kultur, Gesellschaft und Wissenschaften. Sie setzen keinen festen Begriff von Geschlecht voraus, sondern untersuchen, wie sich ein solcher Begriff in den verschiedenen Zusammenhängen jeweils herstellt bzw. wie er hergestellt wird, welche Bedeutung ihm beigemessen wird und welche Auswirkungen er auf die Verteilung der politischen Macht, die sozialen Strukturen unn die Produktion von Wessen, -Kultur und Kunst hat."
(Braun, Christina / Stephan, Inge (2000) Gender Studien: Eine Einführung, Stuttgart / Wismar, S. 9)
Ansätze:
Aus sozialwissenschaftlicher Sicht lassen sich folgende Ansätze voneinander abgrenzen:
- Die Rekonstruktion der Geschichte von Frauen oder die Entdeckung der Frauengeschichte;
- Die Unterscheidung von Sex und Gender und die Debatte um Gleichheit und Differenz;
- Geschlecht als Strukturkategorie;
- Der Begriff der Geschlechterverhältnisse;
- Die Dekonstruktion der Kategorie Geschlecht auf dem Hintergrund des Poststrukturalismus und der Ethnomethodologie.
Quelle: www.uni-marburg.de/zv/frauen/handbuch2003/Kapitel4pdf
Entwicklung:
Die Geschlechterforschung hat sich aus der Frauenforschung entwickelt.
Die Frauenforschung entstand in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA (Women's Studies).
Sie ist eng verbunden mit der Frauenbewegung, bzw. dem Feminismus und versteht sich als Wissenskritik ("Wie männlich ist die Wissenschaft? Hausen/Nowotny 1986b). Die Frage nach der "Männlichkeit" der Wissenschaft bezieht sich auf zwei Aspekte, die eng miteinander verwoben sind:
1. auf die Dominanz von Männern (unter Studierenden, Lehrenden und Forschenden),
2. auf die Inhalte/Themen, Fragestellungen und Forschungsmethoden.
Die Geschlechterforschung/Gender Studies wird einerseits als historische Weiterentwicklung der Frauenforschung, die diese mit einschließt, andererseits als Ablösung/Abgrenzung von der Frauenforschung im Sinne einer grundlegenden Neuorientierung oder gar eines Paradigmenwechsels verstanden.
Die Geschlechterforschung schließt konzeptionell Frauen und Männer ein. Das mit der Kategorie Geschlecht verbundene Wissen gilt als ein Paradebeispiel für reflexives Wissen, das die wissenden Subjekte und damit zugleich deren Praxis verändert (vgl. z.B. Gherardi 1995, S. 1.)
Gender und Sex:
Sex gilt als "biologisches" bzw. "natürliches" Geschlecht, während Gender als "soziales" Geschlecht verstanden wird.
Mit diesen Begrifflichkeiten soll verdeutlicht werden, dass die Ungleichheit der Geschlechter nicht nur auf natürliche Ursachen zurückzuführen ist, sondern auch historisch-gesellschaftlich produziert ist - und damit veränderbar.
Neuere (de)konstruktivistische Ansätze der Geschlechterforschung (vgl. Butler 1991, S. 22 ff und Gildemeister/Wetterer 1995, S. 205 ff) kritisieren diese Unterscheidung und arbeiten heraus, dass auch das "natürliche" Geschlecht sozial konstruiert bzw. diskursiv hervorgebracht ist.
Aus dem aktuellen Geschlechterdiskurs lassen sich zwei Ansätze heraus kristallisieren:
- Differenzansätze, die aus diskursanalytischer Perspektive als (Re-)Naturalisierungen analysiert werden,
- (De)konstruktivistische Ansätze, die alle vermeintlichen Gewissheiten über "Frauen", "Männer" und "Zweigeschlechtlichkeit" radikal in Frage stellen.
Quelle: vgl. Getraude Krell, Freie Universität Berlin, Institut für Management WS 2003/2004
Informationen zu den Forschungsprojekten des Haushaltsjahres 2010:
Zum Haushaltsjahr 2010 gingen insgesamt zwei Anträge für Frauen- und Geschlechterforschung ein, von denen nach der Begutachtung durch ein unabhängiges Forschungsinstitut beide als förderwürdig eingestuft wurden.
1. Antrag
Frau Professorin Dr. Ulrike Mönig
FH Bielefeld
Fachbereich Sozialwesen
Kurt-Schumacher-Str. 6
33615 Bielefeld
Tel.: 0521 / 106-7813
Fax: 0521 / 106-7898
E_Mail:
ulrike.moenig@fh-bielefeld.de
Titel
Häusliche Gewalt und die Entwicklung in der strafjustiziellen Erledigungspraxis
Laufzeit
Februar 2010 - Februar 2011
Fördervolumen
6.000 Euro
Kurzbeschreibung
Opfer häuslicher Gewalt sind zumeist Frauen. Das Forschungsprojekt ist vor dem Hintergrund des neuen Gewaltschutzrechts aus dem Jahr 2002 zu sehen, mit dem ein Pradigmenwechsel weg von der bagatellisierenden Behandlung häusliche Gewalt und hin zur konsequenten Ächtung erreicht werden sollte. Im Bereich des Strafrechts wurde eine konsequente und möglichst einheitliche Verfolgung der verwirklichten Delikte angestrebt. In der Forschungsarbeit geht es im Wesentlichen um eine - auch geschlechtsspezifische - Betrachtung der Entscheidungen, die Statatsanwaltschaft und Strafgerichte treffen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind auch die sozialen Verhältnisse der Beteiligten. Geplant ist eine Folgeuntersuchung, die unter Anknüpfung an eine frühere Studie der Antagstellerin aus 2005/2006 die neuen Entwicklungen in der Strafjustiz erfasst und sie einer kritischen Bwertung unterzieht. Beide Untersuchtungen zusammen werden zur weiteren Aufhellung darüber beitragen, inwieweit die Strafjustiz dem angestrebten Ziel eines Paradigmenwechsels nahe kommt und ob bezüglich der geschlechtsspezifischen Verteilung Veränderungen feststellbar sind.
Forschungsziel
Mit dem Forschungsprojekt soll ein wissenschaftlich gesicherter Praxisbeitrag zum Umgang der Stafjustiz mit häuslicher Gewalt, von der in erster Linie Frauen betroffen sind, geleistet werden. Durch die Auswertung der strafrechtlichen Erledigungspraxis werden detaillierte Aussagen über die Verfahrenserledigung auch unter geschlechtsspezifischen Aspekten möglich sein. Die gewonnenen Erkenntnisse werden - wie die posivite überregionale Resonanz auf die Veräffentlichung zur ersten Studie gezeigt hat - allen mit dem Problem der häuslichen Gewalt befassten Fachkreisen, insbesondere auch der Sozialen Arbeit, sachdienliche Informationen liefern können.
Forschungsmethoden
Es ist eine Folgeuntersuchung in Gestalt einer Justizaktenanalyse beabsichtigt, die an die im letzten Forschungsprojekt (2005/2006) gewonnenen Erkenntnisse anknüpft, die neuen Entwicklungen in der Strafjustiz erfasst und einer kritischen Bewertung unterzieht. Im Wege einer Justizaktenanalyse soll die Rechtspraxis im Bereich der Strafverfolgung 5 Jahre nach der letzten Studie untersucht werden. Es ist - wie bereits in der letzten Untersuchung - eine vollständige Erfassung sämtlicher bei dem Polizeipräsidium Bielefeld registrierter Vorgänge wegen häuslicher Gewalt, die innerhalb eines halben Jahres anhängig werden, beabsichtigt. Jeder einzelne der schätzungsweise 350 - 400 polizeilichen Vorgänge wird chronologisch weiter verfolgt. Anhand verschiedener Kriterien wird erfasst werden, wie sich sowohl die staatsanwaltschaftliche als auch die gerichtliche Erledigungspraxis darstellen. Geschlechtsspezifische Aspekte spielen dabei eine wesentliche Rolle. Bei der Auswertung wird u.a. erfasst werden, inwieweit Männer und Frauen auf Täter- und Opferseite betroffen sind. Ebenso werden die verschiedenen Arten der Verfahrensbeendigung unter geschlechtsspezifischen Aspekten ausgewertet werden. Bezüglich weiterer Einzelheiten wird auf die zum vorherigen Forschungsprojekt erschienene Publikation "Häusliche Gewalt und die strafjustizielle Erledigungspraxis" verwiesen.
2. Antrag
Frau Professorin Dr. Swetlana Franken
FH Bielefeld
Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit
Universitätsstraße 25
33615 Bielefeld
Tel.: 0521 / 106-3755
Fax: 0521 / 106-5086
E-Mail:
swetlana.franken@fh-bielefeld.de
Titel
Erfolgsfaktoren für die Führungskarriere von Akademikerinnen mit Migrationshintergrund
Laufzeit
1. Februar 2010 – 31. Januar 2011
Fördervolumen
10.000 Euro
Kurzbeschreibung
Es wird angestrebt, langfristig ein Projekt "Migrantinnen in Führungspositionen: Erfolgsfaktoren auf dem Weg an die Spitze" durchzuführen, in dem vorhandenes Know-how über Probleme und Kompetenzen von Frauen mit Migrationshintergrund getestet und weiter entwickelt werden sollte (ein Projekt im Rahmen der Förderrunde "FHprofUnt 2010" des BMBF). Dieses langfristige Projekt verfolgt das Ziel, die Erfolgsfaktoren und Hindernisse für hochqualifizierte Migrantinnen auf dem Weg zu einer Führungs- oder Wissenschaftskarriere zu untersuchen und praktische Handlungsempfehlungen für die Migrantinnen, Unternehmen, Organisationen und Politik zu formulieren. Zu diesem Zweck werden langfristig drei Zielgruppen genauer untersucht: Migrantinnen als Führungs- und gehobene Fachkräfte in Unternehmen und Verwaltungen, Migrantinnen als Selbstständige sowie Migrantinnen in der Wissenschaft (Forscherinnen und Professorinnen).
Forschungsziel
Das Ziel des im Mittelpunkt dieses Antrags stehenden Vorhabens "Erfolgsfaktoren für die Führungskarriere von Akademikerinnen mit Migrationshintergrund" besteht darin, die Erfolgsfaktoren angehender weiblicher Fach- und Führungskräfte mit Migrationshintergrund zu untersuchen. In erster Linie werden Motivationsfaktoren, Einstellungen und Erwartungen sowie die subjektiv wahrgenommenen Hindernisse und fördernde Bedingungen dieser Zielgruppe erforscht. Als Ergebnis werden die Empfehlungen für die gezielte Förderung der angehenden karriereorientierten Migrantinnen formuliert und kommuniziert.
Forschungsmethoden und Projektschritte
Entsprechend dem formulierten Ziel, wird im Rahmen des Projekts eine Untersuchung der Motivationsfaktoren, Einstellungen und Erwartungen sowie der subjektiv wahrgenommenen Hindernisse und fördernden Bedingungen von angehenden Akademikerinnen mit Migrationshintergrund (Studentinnen und Absolventinnen der FH Bielefeld) durchgeführt. Parallel dazu werden als Kontrollgruppe angehenden Akademikerinnen ohne Migrationshintergrund befragt, um die spezifischen Kompetenzen, Einstellungen und Motivationsfaktoren der Migrantinnen zu identifizieren.
Um repräsentative Ergebnisse zu erzielen, wird als Untersuchungsmethode eine Online-Befragung verwendet. Es wird angestrebt, mindestens 400 Datensätze zu erhalten (200 Akademikerinnen mit und 200 ohne Migrationshintergrund).
Das Vorhaben wird aus folgenden Schritten bestehen:
- Entwicklung eines spezifischen Untersuchungskonzeptes und des Fragebogens, der die Besonderheiten beider Zielgruppen berücksichtigt,
- Gestaltung eines Online-Fragebogens, Einrichtung eines Servers,
- Durchführung der Befragung (inklusive interaktive Ansprache der Studentinnen und Absolventinnen),
- Analyse und Interpretation von Ergebnissen,
- Ableitung von praktischen Handlungsempfehlungen
- Kommunikation von Ergebnissen (in Form eines Arbeitsberichtes und Fachpublikationen).
Informationen zu den Forschungsprojekten der Haushaltsjahre
Haushaltsjahr 2004
Haushaltsjahr 2005
Haushaltsjahr 2006
Haushaltsjahr 2007
Haushaltsjahr 2008
Haushaltsjahr 2009
Eine Orientierungshilfe zur Umsetzung der forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der DFG an Hochschulen
hat die Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen herausgegeben:
Leitfaden
Link zur DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft):
www.dfg.de/foerderung/grundlagen_dfg_foerderung/chancengleichheit/forschungsorientierte_standards/index.html
Empfehlungen des 209.Plenums der HRK "Frauen fördern"
www.hrk.de/de/download/dateien/Empfehlung_Frauen.pdf
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